29. Mai 2024

Verschleppt – Keine Luftfilter für Dallgows Kitas und Schulen

Erinnern sie sich noch an den Anfang der Pandemie vor 2 Jahren? Wir waren alle sehr verunsichert und wussten so gut wie nichts über Corona, Viren und Pandemien. Wir wussten nur, dass Menschen schwer erkranken und sterben. Wir haben uns Obergrenzen der Inzidenz von 50 gegeben und Schulen, Kitas und große Teile des öffentlichen Lebens geschlossen. Seit der dritten, spätestens der vierten Welle verbreitet sich das Virus intensiv in Kitas und Schulen. Und es gibt den klaren Willen, Kitas und Schulen offen zu lassen, so lange es nur irgendwie geht.
Voraussetzung dafür sind Konzepte, das Infektionsgeschehen bei Kindern und Mitarbeitern der Einrichtungen zu kontrollieren und möglichst Infektionen zu verhindern. Die Eckpunkte dieses Konzepets sind Schnelltests, Masken und Lüften. Kommt es zu Infektionen, kommen Kohortierungen, also Kontaktvermeidungen, dazu.
Lüften ist im Sommer einfach, es ist ohnehin warm und die Fenster wären auch ohne Pandemie offen. Im Winter sieht die Sache anders aus. Es wird stoßgelüftet, doch die wertvolle Winterwärme soll in den Räumen gehalten werden. Also gerade, wenn das Infektionsgeschehen hoch ist, kommt die Säule Lüften an ihre Grenzen. In ihrer Not lüften die Einrichtungen trotzdem intensiv, was zu der Situation führt, dass Schüler in Winterjacken im Unterricht sitzen und ihre Finger so kalt werden, dass sie kaum mehr schreiben können.
Dabei gibt es für den Winter eine bessere Lösung: Luftfilter, welche Luft von Aerosolen und Viren befreien und trotzdem die Wärme im Raum lassen. Spätestens seit Herbst 2020 ist bekannt, dass Corona sich über die Luft verbreitet und das Luftfilter dagegen helfen können. Luftfiltergeräte sind am Markt verfügbar, es gibt sogar mehrere Verfahren und Technologien. Was liegt also näher, als Kitas und Schulen mit Luftfiltern auszustatten? Seit Mitte 2021 haben das auch Bund und Land erkannt und es gibt Förderprogramme, die 80% der Kosten übernehmen.
Alles gut also? Bis heute gibt es in keiner Dallgower Kita oder Grundschule auch nur ein Luftfiltergerät, dass durch die Gemeinde angeschafft wurde. In ihrer Verzweiflung haben Eltern auf eigene Kosten Luftfiltergeräte gekauft und den Klassen ihrer Kinder zur Verfügung gestellt. Wir haben mit einem Vater gesprochen, der genau das getan hat und seine Geschichte aufgeschrieben.


dallgow.news: Hallo John, du hast für die Klasse deines Grundschulkindes auf eigene Kosten ein Luftfiltergerät besorgt. War das spontan oder was ging dieser Entscheidung voraus?
John: Hallo Mirko, die Entscheidung fiel in dem Moment, als ich verstand, dass – trotz Fördermittel für mobile Luftfiltergeräte – die Kinder den zweiten Winter in Strickjacken und mit kalten Fingern in den Schulklassen sitzen würden. Bezüglich der Luftfilter wurde ja nichts unternommen. Da auch die Klassenlehrerin keine Informationen hatte, wann die Räume mit entsprechenden Anlagen ausgestattet werden, dachte ich mir, dass ich lieber selbst aktiv werde.

dallgow.news: Seit wann wusstest du, dass ein Luftfiltergerät den Schutz deiner Kinder vor einer Coronainfektion in der Schule erhöhen kann?
John: Es gab Berichterstattung in der Presse und anhand der anderen Maßnahmen – Lüften, Masken oder insgesamt die Schutzausrüstung in Krankenhäusern – war mir das relativ schnell klar.
Mir ist auch bewusst, dass die Wirkung eines mobilen Gerätes, wie ich es besorgt habe, begrenzt ist. Wenn mich mein Tischnachbar anhustet, hilft das Gerät am anderen Ende des Raumes auch nicht. Jedoch ist erwiesen, dass sich Aerosole in schlecht belüfteten Räumen länger halten. Ich sehe es also eher als zusätzliche Maßnahme, um den Kindern eine sicherere Umgebung zu schaffen. In den Pausen sollten die Räume weiterhin gelüftet werden, aber wenn man an einem besonders kalten Tag das Stoßlüften vermindern kann, werte ich das schon als Erfolg.

dallgow.news: Wie bist du konkret vorgegangen? War es schwer, die Schule zu überzeugen? Wie verlief die Geräteauswahl?
John: Das war erfreulich unbürokratisch. Ich habe die Klassenlehrerin einfach morgens angesprochen. Sie unterstützte die Idee, hat sich lediglich erkundigt, ob es Bedenken seitens Schulleitung oder des Hausmeisters gibt. Nach der positiven Rückmeldung habe ich das Gerät vor Unterrichtsbeginn installiert und eine kurze Einweisung gegeben. Somit hat die Umsetzung nicht mal eine Woche gedauert. Das Gerät hatte ich ursprünglich für den privaten Gebrauch vorgesehen. Da die Hersteller inzwischen auch auf die Wirkung bei Viren verweisen, war die Auswahl einfach.

dallgow.news: Hattest du auch Kontakt zur Gemeinde? Hast du Aussagen bekommen, ob und wann die Gemeinde Luftfiltergeräte in die Schule anschaffen wird?
John: Nicht direkt. Ich hatte im September 2021 mal in einer Dallgow-Gruppe bei einer Social-Media-Plattform nachgefragt, wie diesbezüglich der Stand sei (hier der Link). Hintergrund war ein Artikel in der Tagespresse, dass die Länder das Geld für mobile Luftfilter nicht abrufen würden. Da wollte ich wissen, ob das auch für Dallgow gilt.
Die Antworten – auch von Leuten, die es wissen müssten – waren leider allesamt so, dass ich ahnte, warum es nicht vorwärts ging. Es war enttäuschend.

dallgow.news: Wird deiner Meinung nach genug unternommen von Schule und Gemeinde, um die Kinder in der Schule bestmöglich zu schützen?
John: Auf der positiven Seite sehe ich die Versorgung mit kostenlosen Selbsttests. Das Angebot könnte gerne auch um Kinder-Masken erweitert werden.
Der Klassenlehrer-Unterricht und Trennung der Klassen im Hort sind auch sinnvolle Maßnahmen.
Das Stoßlüften hätten wir jedoch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie gerne durch eine wintertaugliche Lösung ersetzen oder zumindest unterstützen können.
Für die Kita-Kinder und die jüngeren Schüler gibt es keine Impfempfehlung. Sie haben also auch nicht diese Möglichkeit, sich zu schützen. Laut Statistik ist das Risiko eines schweren Verlaufs zumeist sehr gering.
Wenn man sich erinnert, worauf die Kinder seit Beginn der Pandemie verzichten mussten – Kontaktbeschränkungen, geschlossene Spielplätze, Fernunterricht etc. – hätte ich mir mehr Tempo seitens der Gemeinde gewünscht.

dallgow.news: Hast du die Diskussion in der Gemeindevertretung zum Thema verfolgt? Wie schätzt du diese Diskussion ein?
John: Nein, ich habe diese Diskussion nicht verfolgt, aber deine Zusammenfassung gelesen. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen und Ahnungen.
Ich würde mich gerne darauf verlassen können, dass wichtige Projekte erfolgreich und schnell umgesetzt werden. Zumal dafür Fördergelder zu Verfügung gestellt wurden.
Mir scheint es, dass man sich noch gar nicht einig ist, was man möchte. Die Fördergelder gibt es für mobile Luftfiltergeräte. Die Gemeinde diskutiert über fest installierten Lüftungsanlagen.
Vielleicht werden die festen Lüftungsanlagen langfristig die bessere Lösung sein, aber die Kinder frieren jetzt. Spatz – Hand – Taube – Dach

dallgow.news: Welche konkreten Maßnahmen hättest du dir von der Gemeinde gewünscht?
John: Kurzfristig hätte ich mir die Beschaffung und Installation von mobilen Luftfiltergeräten vor der kalten Jahreszeit gewünscht.
Langfristig gerne die Projektierung fester Lüftungsanlagen, die grundsätzlich die Raumluft verbessern, keinen Platz wegnehmen und geräuschärmer sind und somit vielfältige Vorteile haben. Dafür kann man sich dann auch die Zeit nehmen, die es braucht.
Aber ohne Zwischenmaßnahme und spürbares Vorankommen können sich Schüler, Lehrer, Kita-Kinder, Erzieher und Eltern nur alleingelassen vorkommen.

dallgow.news: Welche Maßnahmen könnte die Gemeinde jetzt noch treffen, um die Kinder besser zu schützen?
John: Ich denke, dass die Anschaffung mobiler Geräte immer noch die schnellste Lösung darstellt.
Das Aussetzen der Präsenzpflicht hilft nur wenig, da der Unterricht auf mindestens ein Elternteil abgewälzt wird, das in den meisten Fällen weder pädagogisch, noch fachlich geschult ist. Sollte der Unterricht neben dem Beruf stattfinden, wird es unmöglich.
Hier könnten langfristig Konzepte und die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, um – ohne zusätzliche Belastung für Schüler, Lehrer und Eltern – dezentralen Unterricht stattfinden zu lassen. Und auch das erfordert noch, dass Eltern die Möglichkeit haben, aus dem Homeoffice zu arbeiten.

dallgow.news: Weißt du, ob dein Luftfiltergerät in täglicher Benutzung ist und weisst du, ob die Klasse dadurch weniger Infektionsfälle hatte?
John: Laut der Lehrerin und der Kinder läuft das Gerät und wird netterweise auch vom Hausmeister gewartet. Es gab aber auch mal die Bemerkung, dass das Geräusch des Lüftreinigers in bestimmten Situationen störend sein kann.
In unserer Klasse kenne ich nur einen Infektionsfall, weil die Eltern uns benachrichtigt hatten. Mögliche weitere Fälle können im Datenschutz untergeganen sein. Und da Kinder auch aus anderen Gründen nicht zum Unterricht kommen, kann man aus der Anwesenheit nicht unbedingt etwas ableiten.


Die Gemeindevertretung spricht mit der Gemeinde seit 18 Monaten darüber. Am Ende des Artikels finden sie die Chronik dieser Diskussion. Aktueller Stand: im Februar wird über die Machbarkeit berichtet. Berlin hat seit Herbst letzten Jahres 11.000 Luftfilter für alle Berliner Schulen zur Verfügung gestellt. In Dallgow soll es bis Ende 2022 die Installation geben. Und statt mobile, bewegliche Geräte zu nehmen wird es Luftaustauschgeräte geben, für die in jedem Raum die Wand durchbrochen werden muss. Die Gemeindevertreter haben sich dazu beraten lassen. Vom Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, einem Juristen.
Kitas und Schulen sind mit dieser Lösung nicht glücklich. Das wundert nicht, wer möchte schon im laufenden Kita- oder Schulbetrieb Wanddurchbrüche in jedem Raum und dann ein Gerät unbekannter Lautstärke als feste Wandinstallation? Weniger invasive, flexiblere Lösungen wären favorisiert.
In der Gemeindevertretung hat Anna Mohn das Thema voran getrieben. Liest man die Protokolle, so bekommt man den Eindruck, ohne Frau Mohns beständige Nachfrage wäre es überhaupt nicht zu dem Versuch einer Lösung gekommen. Wir haben mit Anna Mohn gesprochen und ihre Wahrnehmung der Ereignisse aufgeschrieben.


dallgow.news: Hallo Frau Mohn, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, einige Fragen zu beantworten. Seit August 2020 ist das Thema Luftfilter in der Gemeinde ein Thema. Begonnen hat es skurril: wurde in der Sitzung vom 26.8.2020 ein Antrag für CO2-Ampeln abgelehnt, wurde einen Monat später dem praktisch identischen Antrag zugestimmt. Wie kam es dazu?
Anna Mohn: Ganz identisch waren die Anträge nicht. Im ersten Antrag haben wir CO2-Ampeln für alle Räume der Bildungseinrichtungen beantragt. Da dieser Antrag keine Mehrheit gefunden hat, haben wir den Umfang im neuen Antrag im September dann reduziert, um Zustimmung zu erhalten. So wurden dann pro Einrichtung 2 Ampeln angeschafft, mit dem Ziel, mit diesen die Luftqualität in allen Räumen und damit zum Bedarf an Luftfiltern zu ermitteln.

dallgow.news: Danach passierte ein halbes Jahr nichts weiter. Im März 2021 haben sie um die Auswertung der CO2-Ampelmessungen gebeten. Dies schien aber nicht möglich. Woran lag das?
Anna Mohn: Ich hatte auch bereits vorher häufig den Status abgefragt. Leider musste vor der Messung und Auswertung die Beschaffung erfolgen. Dort gab es Liefer- und Qualitätsschwierigkeiten. Später gab es dann auch Schwierigkeiten in der Verwaltung, die sich zunächst nicht in der Lage sah, die Daten auszuwerten.

dallgow.news: Letztendlich haben sie selbst dann die Zahlen ausgewertet. Was war das Ergebnis?
Anna Mohn: Ich hab das laienhaft ausgewertet, allerdings einen Experten einbezogen, um meine Ergebnisse zu validieren. Es war relativ offensichtlich, dass es in bestimmten Räumen nicht möglich war, ordentlich zu lüften, weil der CO2-Gehalt der Luft oberhalb der empfohlenen Werte lag, obwohl gelüftet wurde. Die Ergebnisse haben also Handlungsbedarf gezeigt. Allerdings nicht den kompletten, da wir nicht von allen Einrichtungen ausreichend Daten vorliegen hatten, insbesondere von der Schule nicht.

dallgow.news: Wurden dann die Luftfilteranlagen bestellt?
Anna Mohn: Nein. Es fehlte nach wie vor die Mehrheit für Luftfilteranlagen. Insbesondere die mobilen Luftfilteranlagen waren sehr umstritten, weil diese angeblich so viel Lärm machen sollen. Es wurde dann versucht, einen Kompromiss zu finden, der in den raumlufttechnischen Anlagen bestand, für die es dann auch den gemeinsamen Antrag aller Fraktionen gab.

dallgow.news: Ursprünglich war in der Gemeindevertretung davon gesprochen worden, Kinder und Jugendliche für den Herbst/Winter 2021 zu schützen. Beschlossen wurde dann, dass der Einbau bis Ende 2022 erfolgt sein soll. Also ein Jahr später. Trotzdem solle das Thema in der Verwaltung mit höchster Priorität behandelt werden. Wie war ihr Eindruck zu diesem Beschluss?
Anna Mohn: Es war nur eine Mehrheit für die raumlufttechnischen Anlagen zu bekommen, die leider länger in der Installation brauchen als mobile Anlagen, allerdings auch langfristig die Raumluft verbessern und eben eine geringere Geräuschbelastung haben sollen. Ausschreibung, Planung und Umbauten brauchen Zeit. Es war damit klar, dass das zeitliche Ziel Herbst 2021 nicht erreicht werden konnte, obwohl ich mir das wirklich gewünscht habe. Das Ziel ist nach wie vor, dass die Umsetzung so schnell wie möglich erfolgt. Der Herbst 2022 ist nun das spätest mögliche Ziel, da auch die Fördermittel daran geknüpft sind, dass die Umsetzung in diesem Jahr erfolgt.

dallgow.news: Den Protokollen der Gemeindesitzung ist zu entnehmen, dass sie sehr häufig auf Status und neue Erkenntnisse gedrängt haben, aber meistens nichts neues erfahren haben. War das nicht frustrierend?
Anna Mohn: Ja, natürlich war das frustrierend. Mein Ziel war die ganze Zeit, die Kinder zu schützen, bevor sie sich infizieren. Es war ja absehbar, dass Ausbrüche in Schulen und Kitas kommen werden. Wenn nun – nach all den Infektionen – Langzeitfolgen bei den Kindern auftreten sollten, müsste sich jeder, der eine schnelle Lösung verhindert hat, fragen, welchen Anteil er daran hat. Ich hoffe, dass für die Zukunft daraus gelernt wird.

dallgow.news: Der letzte Stand ist, dass in der nächsten Gemeindevertretersitzung darüber berichtet werden soll, ob der Einbau überhaupt machbar ist. 1,5 Jahre nach dem ersten Beschluss zum Filtereinbau wirkt das nicht wie ein Thema mit höchster Priorität. Glauben sie, dass die Filteranlagen noch in diesem Jahr eingebaut werden?
Anna Mohn: Ich werde mich auf jeden Fall dafür einsetzen und hoffe und glaube es nach wie vor. Es kommt natürlich auch auf das Ergebnis der Untersuchung an, die gerade durchgeführt wird. Was mir Hoffnung macht ist, dass wir den Willen aller Fraktionen der Gemeindevertretung haben – oder zumindest im Sommer hatten. Aber natürlich muss die Verwaltung die Beschlüsse auch umsetzen. Mir ist wichtig, dass jetzt niemand auf die Idee kommt, nun lohne es sich nicht mehr, weil die Pandemie ja bald vorbei ist. Wir wissen nach wie vor nicht, wie der nächste Winter aussieht. Raumlufttechnische Anlagen sind außerdem auch über Corona hinaus sinnvoll, da sie andere Infektionen genauso verhindern können und für ein viel besseres Raumklima sorgen. Es liegen Studien vor, die nachweisen, dass schlechte Raumluft für Kopfschmerzen und schlechtere Leistung bei den Kindern sorgen. Das kann mit raumlufttechnischen Anlagen verhindert werden.

dallgow.news: Rückblickend betrachtet, was hätte anders laufen müssen, damit die Kita- und Schulkinder durch die Filteranlagen vor Infektionen früher geschützt werden können?
Anna Mohn: Es hätte einen Willen der Mehrheit der Gemeindevertretung gebraucht, die Kinder auch mit mobilen Luftfiltern zu schützen und den Lärmschutz in Pandemiezeiten dem Gesundheitsschutz unterzuordnen.

dallgow.news: Insgesamt soll das Projkte 4,25 Millionen Euro kosten, das sind 47.000 Euro pro Raum. Das klingt viel, gerade wenn man die Kosten für mobile Geräte kennt. Kann die Gemeinde sich das leisten?
Anna Mohn: Wichtig ist zu beachten, dass 80% Förderung vom Bund kommen, auch das war ein Argument für die raumlufttechnischen Anlagen gegenüber den mobilen Geräten. Schwierig ist das trotzdem, da wir einen engen Haushalt haben und auf das Geld achten müssen. Aber ich finde es falsch, deshalb beim Gesundheitsschutz der Kinder zu sparen. Ich denke auch nicht, dass es wirklich zu dieser Summe kommt. Entscheidend werden die Ergebnisse der jetzt durchgeführten Untersuchung sein. Möglicherweise werden nicht alle Einrichtungen und Räume die Anlagen benötigen, so dass die Kosten hier noch deutlich sinken könnten.

dallgow.news: Würden Sie sagen, das Thema wurde verschleppt?
Anna Mohn: Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube eigentlich, dass es bisher nicht absichtlich verschleppt wurde. Es hat aber unglücklich lange gedauert, weil viele nicht rechtzeitig gesehen haben, in welche Probleme man gelaufen ist, z.B. durch die Verzögerung bei der Bewilligung und Beschaffung der CO2-Ampeln und vielleicht auch, weil das Thema eben nicht mit hoher Priorität behandelt wurde. Die Gefahr, dass es verschleppt wird, sehe ich aber immer noch. Fatalerweise gerade dadurch, dass sich bereits so viele Kinder infiziert haben, was den Eindruck erwecken könnte "Jetzt ist es eh zu spät". Das ist nur zum Teil der Fall: Schlimm genug, dass wir die Infektionen nicht verhindern konnten – aber wir können immer noch zukünftige Infektionen verhindern. Es ist immer noch wichtig, das Thema so schnell wie möglich umzusetzen.


Nun sind 5 Planungsbüros beauftragt, die Planungen zu machen. Es gibt eine geschätzte Investitionssumme von 4,25 Mio. Euro. Wir haben Eigenrecherche betrieben und den Markt sondiert. Aktuell gelten Luftfiltersysteme mit Plasmatechnologie als besonders gut geeignet, da sie leise, effektiv und stromsparend sind. Allerdings auch etwas teurer. Gehen wir von Anschaffungskosten von 3.500 Euro pro Gerät aus, so würden für diese Investitionssumme 1.214 Geräte angeschafft werden können. Für – laut Auskunft der Gemeinde – 90 auszustattene Räume. Pro Raum wird also mit Kosten von 47.000 Euro gerechnet. Selbst wenn 80% davon gefördert werden, so sind es doch 9.400 Euro pro Raum, die von der Gemeinde aufzubringen sind. Gesamtkosten: 846.000€
Frau Mohn deutet an, dass die durchgeführte Untersuchung zu dem Ergebnis kommen könnte, nicht alle geplanten 90 Räume würden eine Anlage benötigen. Orientiert wird sich dabei an der Möglichkeit zur Lüftung und der CO2-Konzentration. Wäre das dann noch Zielgerecht? Wenn das Ziel weiterhin ist, Infektionen zu vermeiden und im Winter kalte Kita- und Klassenräume zu vermeiden, so vergaloppiert man sich hier. Sollte die nächste Winterwelle kommen, so gäbe es dann die privilegierten Räume, in denen guter Schutz vor Infektion und lernen im Warmen möglich ist – und die Räume, in denen Schutz nur frierend geht.

Wäre es nicht schon Februar 2022, ich würde vorschlagen, nochmal ganz von vorn anzufangen.


Hier die Chronik der Diskussion der Gemeindevertreter mit der Gemeindeverwaltung:

DatumWas ist passiert
26.8.2020Antrag für CO2-Ampeln in Schulen, Hort und Kitas. Es gibt eine rege Diskussion, der Antrag wird abgelehnt
30.9.2020Antrag für CO2 Ampeln in Schulen, Hort und Kitas ohne Lüftungsanlagen, um Bedarf an HEPA-Filteranlagen zu bestimmen. Der Antrag wird angenommen.
16.12.2020Einige CO2-Ampeln sind mangelhaft und werden ausgetauscht. Frau Mohn fragt nach Auswertungen in Hort und Schule, die gibt es jedoch nicht.
27.1.2021Frau Mohn fragt nach dem Stand der Auswertungen der CO2-Ampeln. Eine Auswertung liegt nicht vor.
24.2.2021Frau Mohn fragt nach dem Status der CO2-Ampeln.
24.3.2021Frau Mohn bittet um Übermittlung der Auswertung der CO2-Ampeln. Herr Kristke sagt Übermittlung zu, sobald Auswertung erfolgt sei.
19.4.2021Frau Mohn bekommt die umausgewerteten Bögen zugesendet und wertet diese selbst aus.
28.4.2021Frau Mohn stellt ihre eigene Auswertung der Bögen vor und fragt verärgert nach der offiziellen Auswertung der CO2-Ampeln. Herr Richter entgegnet, dafür gäbe es keine Kapazitäten, sagt eine Auswertung aber zu.
5.5.2021Herr Böttcher informiert im Ausschuss Soziales, dass der Beschluss zu den CO2-Ampeln schwer umzusetzen sei, da die Einrichtungen Coronabedingt nicht voll besetzt seien. Da ihm die Kinder am Herzen lägen, ist er bei eigenen Recherchen auf eine Bundesförderung für raumlufttechnische Anlagen gestossen. Der sachkundige Bürger Prof.Dr. Fleisch solle in die nächste Ausschusssitzung eingeladen werden um Empfehlungen auszusprechen
9.6.2021Prof. Dr. Fleisch präsentiert.
23.6.2021Gemeindevertretersitzung: es wird gefragt, ob eine Bedarfsermittlung mit den Einrichtungen stattgefunden hat. Herr Richter informiert, dass ein Fachmann hinzugezogen wird, bevor die Maßnahmen beginnen.
11.8.2021Im Ausschuss für Soziales wird der Antrag für raumlufttechnische Anlagen vorgestellt und besprochen. Er sei ausgiebig vorgesprochen, verbessert und ergänzt worden. Herr Richter möchte die Kosten im Auge behalten, führt aus, dass nur dezentrale Lösungen möglich seien und ein Planungsbüro die Sache begleiten müsse. Er möchte nur die wichtigsten Räume bestücken lassen (welche das sind, ist dem Protokoll nicht zu entnehmen). Es soll ausdrücklich keine Luftfilteranlage sein, sondern eine Anlage, die das Lüften ersetzen kann. Eine Auftragsvergabe sei noch 2021 anzustreben, ein Einbau bis Ende 2022 (Ende der Förderung) nötig. Verwaltungsintern soll das mit höchster Priorität behandelt werden. Der Bürgermeister wird beauftragt, in jeder Sitzung der Gemeindevertretung über den Fortschritt zu berichten. Beschlussvorlage enthält Zustimmung.
17.8.2021Der Antrag wird erneut besprochen und für gut befunden.
25.8.2021In der Gemeindevertretersitzung wird die Anschaffung beschlossen.
14.9.2021Bericht, dass die 9 Fördermittelanträge bei der BAFA gestellt wurden. Gesamtinvestitionssumme von 3,36 Mio€. 5 Objekte werden an 5 Planungsbüros übergeben, die Ausschreibungen der Planungsleistungen wird aktuell vorbereitet.
29.9.2021Gemeindevertretersitzung. Das erste Planungsbüro steht fest. Am 30.9. wird es im Rathaus eine Besprechung mit Bauamt, Planer und Leitungen der Einrichtungen und Fraktionsvorsitzende. Auf Nachfrage wird berichtet, dass es ein Termin mit Kita- und Hortleitung gegeben hätte und die Elternschaft aufgebracht sei. Die Einrichtungsleitungen fühlen sich nicht mitgenommen.
6.10.2021Im Sozialausschuss wird der aktuelle Sachstand berichtet: Es sollen mehrere Planungsbüros beauftrag werden, es werden Kosten von 4,25 Mio€ geschätzt. Herr Frost schlägt statt Luftanlagen CO2-Ampeln vor. Eltern seien eher gegen diese Anlagen. Man müsse sich erneut mit der Gesamtsituation befassen und ein Lastenheft beauftragen.
27.10.2021Gemeindevertretersitzung: Änderung zum bestehenden Beschluss: es soll eine Grundlagenermittlung für alle Räume der gemeindlichen Bildungseinrichtungen gemacht werden. An den Grundschulstandorten soll die Leistungsstufe 1-3 beauftragt werden. Planungsbüros seien zu beauftragen. Planungsbüros sollen dem Sozialausschuss berichten.
24.11.2021Gemeindevertretersitzung: Es wurden Firmen beauftragt, geeignete Geräte zur Messung der Raumluftqualität zu finden. Ende Februar 2022 werden die Berichte über eine Machbarkeit erwartet.
Chronik der Beschlüsse zu Luftfilteranlagen in Dallgow

Update: in einer früheren Version haben wir behauptet, die Pandemie sei bereits 3 Jahre alt. Das ist falsch, sie ist 2 Jahre alt.

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