29. Mai 2024

Klimawandel in Dallgow – was kommt auf uns zu?

Die globalen Auswirkungen des Klimawandels sind inzwischen seit einigen Jahren mess- und erlebbar. Auch in Dallgow sind die Auswirkungen zu bemerken. Die in den letzten Jahren erlebten heißen Trockenphasen, Starkregenereignisse und milden Winter sind vor allem für Menschen über 40 in deutlichem Kontrast zu den Erinnerungen von Winter und Sommer ihrer Kindheit. Wie wird sich das Klima im Havelland und in Dallgow weiter entwickeln? Welche Veränderungen sind bereits jetzt nicht mehr zu verhindern, welche Szenarien sind zu erwarten,häufig anzutreffenden aus mit größeren und kleineren Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels? Das Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) hat sich mit einer Studie konkret Brandenburg angesehen und 79 Seiten produziert, die ich hier zusammenfassen möchte. (https://www.pik-potsdam.de/4c/web_4c/publications/pik_report_83.pdf). Untersucht wurden Auswirkungen auf Temperatur, Niederschlag, Wasserhaushalt, Wald und Landwirtschaft.

Allgemeine Betrachtungen

Als Hauptursachen für die klimatischen Veränderungen werden die CO2-Freisetzung aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, die Verdrängung naturnaher Ökosysteme durch Siedlungs- und Verkehrsinfrastruktur und die intensive Landwirtschaft genannt. Diese Einflüsse wirken zeitversetzt, so dass die Autoren davon ausgehen, dass das Schicksal der nächsten Jahrzehnte bereits besiegelt ist. Daraus zu schliessen, dass wir dann sowieso nichts machen können, ist jedoch falsch: heute ergriffene Maßnahmen, so sie denn ausreichend wirkungsvoll wären, werden mit einem Horizont von 20 bis 30 Jahren positive Wirkungen zeigen oder zumindest eine weitere Verschärfung der Auswirkungen begrenzen. Die Studie betrachtet den Zeitraum bis 2050.

Auswirkungen auf das Klima

Dallgow und das Havelland gehört in Brandenburg zu den historisch wärmeren Regionen. Historische Daten belegen, dass in Dallgow eine mittlere Temperatur von 9 Grad herrschte, während in den kälteren Brandenburger Gebieten nördlich und nordöstlich eine mittlere Temperatur von 8 Grad herrschte. Bitte beachten sie hier, dass die mittlere Temperatur über das gesamte Jahr gemittelt wird.
Für die Jahre 2046-2050 ermitteln die Forscher eine mittlere Temperatur von 10,1 Grad in der kältesten Region von Brandenburg und 11,5 Grad in der heißesten Region. Dallgow liegt dabei mit 11 Grad im oberen Drittel. Im Vergleich zu den historischen Werten also eine Erhöhung um 2 Grad im Jahresmittel. Die Anzahl der heißen Tage signifikant zunehmen, die Anzahl der Frosttage ebenso signifikant abnehmen. Die Bewölkung geht zurück und entsprechend steigt die Zahl der Sonnenstunden. Extremwetterereignisse werden zunehmen oder sich auf hohem Niveau einpendeln. Ob damit einhergehend auch Hochwasser in der Havel auftreten können, wurde in der Studie nicht betrachtet.

Quelle: Studie des PIK

Niederschlag

Historisch hat Dallgow eine Niederschlagsmenge im mittleren Bereich Brandenburgs von 520mm pro Jahr. Diese Niederschlagsmenge wird sich für Dallgow in den Jahren 2045/2050 auf 450mm pro Jahr reduzieren. Diese Reduzierung wird sich vor allem im Sommer zeigen, im Winter soll die Niederschlag etwas zunehmen. Nasskalte, aber eher schneefreie Winter sind dann die Folge. Die jetzt bereits im Sommer auftretende Wasserknappheit wird sich verschärfen und es ist damit zu rechnen, dass wassersparende Maßnahmen häufiger bis regelmäßig zum Einsatz kommen.

Quelle: Studie des PIK

Grundwasserstände

Höhere Temperaturen und mehr Sonnenschein erzeugt eine höhere Verdunstung. Von den uohnehin niedrigeren Niederschlagsmengen kommt noch weniger im Grundwasser an. Die Datenlage reicht hier aber nicht, um sichere allgemeine Aussagen zu machen. Jedoch zeigen die Daten, dass bei grundwassernahen Gebieten ein teils dramatische Abnahme des Grundwasser um 47% berechnet wird. In Dallgow sind das der Schwanengraben und der Egelpfuhl, die mit diesen Daten eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, im Sommer trocken zu fallen. Die Studie rechnet vor allem für die Jahre 2045 bis 2050 mit erheblichem bis extremen Wasserdefizit, was zu erheblichen Problemen in der Wasserverfügbarkeit führen kann. Fischsterben in erheblichem Ausmaß wird vor allem die Gewässer betreffen, die eine Grundwasserverbindung haben. Für ganz Brandenburg, also auch für Dallgow, wird die sichere Versorgung mit Trinkwasser ein herausforderndes Projekt werden, dass Anstrengungenund neue Strategien benötigt, die sicherlich auch mit höheren Kosten für Trinkwasser verbunden sein werden. Als Folge einer solchen klimatischen Änderung werden die in Brandenburg noch häufig anzutreffenden ausgedehnten Niederungen, Moore und Luchgebiete in ihrer vielfältigen Funktion verloren gehen.

Änderung der Grundwasserstände bis 2050, Quelle: Studie des PIK

Wälder

Hier zeigt sich eine Zweiteilung Brandenburgs. Während im Norden Brandenburgs von einer stärkeren Bewaldung ausgegangen wird, wird im trockenen Süden Brandenburg von einer schwächeren Bewaldung ausgegangen. Der Raum Dallgow liegt dazwischen. Änderungen werden sich auch in der Produktivität des Waldes ergeben. So wird das zu erwirtschaftende Holz im Süden Brandenburgs abnehmen. Eine weitere Hinwendung hin zu Mischwäldern und weg von Nadel-Monokulturen wird empfehlen, da Nadelwälder schlechter für die Wasserhaushaltsbilanz seien.

Landwirtschaft

Brandenburgs Landwirtschaft hat bereits ohne Klimawandel mit geringen Niederschlagen zu kämpfen. Diese Wasserknappheit wird sich verschärfen. Andererseits bedeuten höhere Temperaturen für die Landwirtschaft eine längere Wachstumsperiode, so dass dadurch höhere Erträge möglich wären. Auch stimuliert der höhere CO2-Gehalt in der Luft die Photosynthese, ein für Pflanzen sehr guter Effekt. Jedoch nutzten längere Wachstumsperiodene und mehr CO2 der Landwirtschaft nichts, wenn nicht genügend Wasser vorhanden ist. Durch die Verschiebung der Niederschläge auf die Wintermonate kann es nötig werden, mehr in Rückhalt und Speicherung zu investieren, damit dieses dringend benötigte Wasser im Sommer zur Vefügung steht. Diese Investionen beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit der Brandenburger Landwirtschaft.
Während die Erträge von Weizen um -10% sinken, kann durch Umstellung des Anbaus auf Gerste (+7%) und Mais (+8%) der Ertrag in der Landwirtschaft gesteigert werden.

Quelle: Studie des PIK

Zusammenfassung

Dallgow und seine Bürger müssen sich auf den Klimawandel einstellen. Höhere Temperaturen, Hitzewellen, Starkregen und Trockenheit werden zunehmen. Zukünftige Investitionen sollten das berücksichtigen. So wird eine überschwemmte Wilmsstrasse ebenso häufiger werden wie trockene Wiesen und Bäume. Möglicherweise werden zukünftig alle Dallgower Bäume einen Wassersack tragen, um den Sommer zu überstehen. Hitzeschutzmaßnahmen in Form von Abschattungen und Klimageräten genau wie Kälteräume der Gemeinde in Hitzeperioden dürften notwendig werden. Mildere Winter, auf der anderen Seite, senken Heizkosten. Mehr Sonne bringt mehr Ertrag durch Photovoltaik und Photothermie. Längere Schneeperioden im Winter werden dafür selten, unsere Enkel werden andere Winter erleben als wir sie als Kinder erlebt haben.
Die Gemeindevertreter werden in ihren Entscheidungen nicht nur über Klimaneutralität verhandeln müssen, sondern den unvermeidbaren Teil des Klimawandels annehmen und einen Umgang damit finden.
Das betrachtete Klimaszenario ist das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wahrscheinlichste. Abweichungen in jede Richtung sind also möglich, der Trend wird sich entsprechend verstärken oder abschwächen. Aktuell wird viel über die plötzliche Erwärmung des Meeres spekuliert. Das könnte ein Indikator dafür sein, dass es eher noch wärmer wird, als in diesem Szenario hier beschrieben. Sicher ist das aber nicht.
In Panik brauchen sie also nicht zu geraten. Ignorieren sollten sie den Klimawandel aber auch nicht. Stellen Sie sich darauf ein.

2 Gedanken zu “Klimawandel in Dallgow – was kommt auf uns zu?

  1. Auch in Brandenburg steigt die Zahl der sogenannten Hitzetoten von Jahr zu Jahr an. Betroffen sind die Schwächeren unter uns. Das finde ich schon beunruhigend. Viele Gemeinden überlegen sich konkrete Hitzeschutzpläne. Was auf Bundesebene schon diskutiert wird ist wohl in Brandenburg noch nicht so richtig angekommen. Der Klimawandel beeinträchtigt unsere Lebensbedingungen schon jetzt. Bieten Sie ihren älteren Nachbarn an Trinkwasser her ran zu schaffen. . Wir brauchen Schattenplätze, öffentliche Trinkbrunnen und notfalls gekühlte öffentliche Räume um nur wenige Beispiele zu nennen.

  2. Sendung: rbb24 Inforadio, 12.06.2023, 16:40 Uhr
    Die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle in der Region Berlin-Brandenburg hat 2022 extrem zugenommen. Das meldet das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg auf Nachfrage von rbb24-Recherche.
    Demnach sind im vergangenen Jahr in Berlin 416 und in Brandenburg 219 Menschen hitzebedingt ums Leben gekommen. Die Zahl liegt mehr als viermal so hoch wie der Durchschnitt von 98 Hitzetoten in Berlin und 59 in Brandenburg im vorherigen Zeitraum seit 1985.

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